Ein Programm so vielfältig wie das Leben selbst. Kunst, Wissenschaft und Ernährung sind die Themen des TAURISKA-Festivals 2018
Der Verein TAURISKA in Neukirchen/Großvenediger und die Leopold Kohr-Akademie sind bekannt dafür, regionale Bezüge in größere Zusammenhänge zu stellen. Da werden Schätze im eigenen Landstrich ausgegraben, Talente gefördert und zu wichtigen Fragen internationale Koryphäen für Vorträge und Workshops geholt. Dies ist auch 2018 mit dem Schwerpunkt Ernährung und Regionalwirtschaft der Fall. Der Wachstumskritiker Niko Paech, deutscher Volkswirt und Professor an der Universität Siegen, wird im Rahmen einer „Kohr-Summerschool“ oder eines Akademischen Wirtshauses im Augustiner-Bräu Mülln in Salzburg die Chancen einer nachhaltigen, regionalen Ernährungswirtschaft auf wissenschaftlicher Ebene ausloten. Paech, Leopold Kohr-Preisträger von 2016, hält es mit der Kohr’schen Philosophie („Small is beautiful“), wenn er dazu anspornt, auch aus dem „Kleinen“ heraus aktiv zu werden und neue Wirtschaftsformen zu kreieren.

Den Aufbau regionaler Versorgungsstrukturen fördert TAURISKA seit 30 Jahren, wie das Beispiel „Obstpresse Bramberg“ eindrucksvoll zeigt. Das Festival 2018 soll Lust auf den eigenen Anbau und die Verwendung biologischer Zutaten machen. Anregungen sollen ein Kochkurs mit Apfelreststoffen – dem „Epfö-Trester-Pulver“, eine umfassende Obstsortenbestimmung,  Krauteinschneiden und Gemüseeinlegen wie zu Großmutters Zeiten und Gesundes aus der Nationalpark-Gärtnerei liefern. Im Bramberger Samplhaus von Christine Hochwimmer, der Trägerin des Salzburger Volkskulturpreises 2017, finden Wochenmärkte voll mit regionalen Köstlichkeiten statt. Hier wird auch altes Handwerk vorgeführt. Ein „Arche Noah“-Kunstwerk aus Ton steht symbolisch für den Aufbruch zu neuen oder wieder entdeckten Möglichkeiten. Ein Getreide-Schaufeld wird zeigen, wie man im bayerischen Laufen den Anbau des historischen Landweizens mit großem Erfolg reaktiviert hat. TAURISKA hofft auf Nachahmung innergebirg. Schließlich wuchs Getreide früher im Gemeindegebiet von Uttendorf sogar auf 1600 m Seehöhe, wie das Bild auf dem Festival-Plakat zeigt. Apropos: Kommt der Tanz der „Tresterer“ im Oberpinzgau vom Austreten des Getreides? Ein für drei Jahre angesetztes Projekt geht dieser Frage nach und beleuchtet die frühere und heutige Bedeutung der Brauchtumsgruppen, die 2018 auch beim TAURISKA-Symposion „Mystischer Tanz“ teilnehmen werden. Wie man in der Natur noch viel mehr riechen, schmecken, entdecken und experimentieren kann, das schildert Daniela Weißbacher aus Lofer bei einer Lesung aus ihrem Buch mit dem Titel „Verwurzelt und beflügelt“.

 Auf den Spuren Leopold Kohrs und des „Stille Nacht“-Liedes

„Oberndorf is only a small village in Austria. But it is my village“, schrieb Leopold Kohr über seine Heimat bei Salzburg. Diese hatte die Menschheit mit dem Lied „Stille Nacht“  reich beschenkt. Mit „Silent Night“, „dieser wunderbaren Hymne der Christenheit“ (Kohr), berührte der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs emigrierte Philosoph die Herzen der Amerikaner. Darüber wird Kohr-Biograph Gerald Lehner Bewegendes berichten, Kohr-Porträtist Johannes Ploner erzählt über seine Begegnung mit dem Weltbürger. Geht es 2018 auf Weihnachten zu, wird TAURISKA mit einer stillen Wanderung an den berühmten Sohn Oberndorfs erinnern. Dort, wo Kohr seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte, wird man verweilen und sich anlässlich der 200 Jahr-Feier des weltberühmten Liedes auch in den „Stille Nacht“-Bezirk von Oberndorf begeben. Der Autor Walter Müller wird dabei viel Atmosphärisches beisteuern.

Musik verbindet, besonders in beachtlicher Höhe: „Der Friedensgarten“ geht im August 2018 auf dem Wildkogel in über 2.100 m Seehöhe in die vierte Runde. Japanische Trommeln verbinden sich dabei mit den Klängen heimischer Musik. „LeRoXa und Bluesbrauser“ werden im Juli wiederum unter dem schrägen Titel „10 vor um hoibi 8i-Tour“ jazzen, rocken, singen, jodeln. Echte Volksmusik bieten hingegen der Lehrgang „Oberpinzgauer Volksmusik“ an und die zur Tradition gewordene Adventlesung „Schreib´s auf“.

Auch im Kammerlanderstall stellt zu Ostern ein starkes Trio Sakrales aus: feine Osterarbeiten, Ikonenmalerei und geklöppelte Spitzenhandarbeit. Handgeklöppelte Spitze war einst begehrt wie edelster Schmuck – das Tragen ein Privileg der noblen Gesellschaft. Monika Thonhauser hat ein Buch über die Geschichte der feinsten textilen Kunst und über deren europaweit beliebte Salzburger Spielart geschrieben, das im Zuge der Ausstellungseröffnung vorgestellt wird.

Regionale Künstler runden schließlich das Festival-Programm ab: Beatrix Foidl-Zezula mit der Lesung „Mosaik aus Schatten und Licht“, Sabine Möschl, Leni Wallner und Stefan Kaiser mit moderner Malerei sowie Andreas Palfinger mit der Fotoausstellung „Identität und Zeit“. Natürlich werden das bestens eingeführte „Kohr-Cafe“, das „Akademische Wirtshaus“ oder der Leopold Kohr-Stammtisch wieder pralles Leben mit Geselligkeit, „Hoagascht“ und Fortbildung bringen. Als Mitveranstalter fungiert TAURISKA 2018 bei den „Salzburger Zukunftsdialogen“, bei der Theaterwanderung ins Krimmler Achental, bei der Mundartlesung „Niedernsiller Stund’“ und beim Projekt „Lebenswerte Gemeinde“.